Home
JoomlaWatch Stats 1.2.7 by Matej Koval
Interview mit den Initiatoren Drucken
Warum gerade jetzt so eine Initiative? Dr. Werner Gajewski und André Blümel im Gespräch

Dr. Werner Gajewski - Sprecher ISA - und André Blümel - Vorsitzender der Geschäftsführung GEHE - im Gespräch.

Warum setzt sich eine Apotheker-Initiative für die Liberalisierung des Apothekenmarktes ein?
Dr. Werner Gajewski:

Wir setzen uns nicht für die Liberalisierung ein – am besten wäre es, es bliebe alles so, wie es ist. Aber die Liberalisierung kommt. Der Veränderungsprozess ist seit Jahren erkennbar. GEHE hat das immer offen gesagt und wir haben schon lange gemeinsam an Lösungen gearbeitet. Es geht also nicht mehr darum, für oder gegen die Liberalisierung zu sein. Das Polarisieren überlassen wir anderen. Wir wollen Lösungen. Wir Apotheker können es uns nicht länger leisten, die Veränderungen zu ignorieren – wer das tut, handelt verantwortungslos gegenüber seiner Apotheke wie seinen Patienten. Wir müssen uns auf diese enormen Veränderungen vorbereiten.

Warum unterstützt GEHE die Initiative Arzneimittel aus erster Hand?
André Blümel:

Den durch Europa jetzt auch nach Deutschland getragenen Veränderungsprozess haben wir schon lange beobachtet und schnell erkannt, dass die vom Verbraucher gewünschte Apotheke auf der Stecke bleiben könnte. Und mit ihr sowohl die Arzneimittelkompetenz, als auch die flächendeckende Versorgung mit Arzneien gefährdet wird. Als erstes Unternehmen überhaupt, haben wir deshalb gemeinsam mit unserem Mutterhaus, der Celesio AG, den Vorschlag zur Einführung eines Zulassungssystems für Apotheken unterbreitet. Diesen Vorschlag hat ISA schon früh unterstützt und inhaltlich begleitet. Wir wollen gemeinsam die Apotheke in Deutschland erhalten und so ist es nur logisch, dass wir als GEHE die ISA-Initiative unterstützen.

Welche Veränderungen stehen dem selbständigen Apotheker bevor?
Dr. Werner Gajewski:

Die Apotheke muss sich auf einen harten Wettbewerb einstellen. Neue Marktteilnehmer, zum Beispiel Drogeriemärkte, werden um die Kunden werben. Sie tun das ja heute schon – und die zunehmende Aufweichung der Apothekenbetriebsordnung unterstützt diese Entwicklung. Wir Apotheker werden noch viel mehr als Unternehmer gefordert sein, und es hilft nichts, der guten alten Zeit nachzujammern. Es geht schließlich um den Wert unserer Apotheken. Mit neuer Konkurrenz, die sich schrankenlos breitmachen kann, sinkt dieser nämlich dramatisch, weil vor allem an guten Standorten viele ein Stück vom Kuchen abhaben wollen. Und das hat Auswirkungen auf Umsatz und Ertrag. Die gehen nach unten und damit der Wert der Apotheke. Wer sich eine schöne Altersvorsorge ausgerechnet hat, könnte ganz schön in die Röhre schauen. Aber wer sich in einem vernünftig regulierten Markt richtig aufstellt, dessen Apotheke kann im Wettbewerb bestehen.

Welche Vorkehrungen können Apotheker heute schon treffen?
André Blümel:

Die Apotheke muss sich im Wettbewerb der Zukunft noch besser positionieren und profilieren. Wir bieten unseren Kunden je nach ihrer individuellen Positionierung im jeweiligen Wettbewerbsumfeld aus diesem Grund schon heute adäquate Lösungen, ob als klassischer Großhandelspartner, als Markenpartner von DocMorris oder in unserer Kooperation Commitment mit der Marke „Gesund leben“. Mit der Vielfalt unseres Angebots geben wir den Apotheken professionelle Antworten auf alle Ausprägungen des Marktes. Unser Angebot bringt direkte und messbare Vorteile für die Apotheke, die so ihren Wert behält – gerade auch für den Verbraucher, den wir konsequent im Blick haben. Mit "Arzneimittel aus erster Hand" setzen wir uns zusätzlich für Rahmenbedingungen ein, die die Zukunft der Apotheke sichern.

Welche Rahmenbedingungen meinen Sie?
Dr. Werner Gajewski:

Es muss sichergestellt werden, dass Arzneimittel in der Apotheke bleiben. Deshalb brauchen wir zum einen eine klare und unverwässerte Apothekenbetriebsordnung, die Qualität aus der Apotheke bewahrt. Zum anderen fordern wir ein Zulassungssystem, das die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln sichert. In Großbritannien hat sich ein solches System bewährt, welches dem Wettbewerb, aber auch gesundheitspolitischen Ansprüchen nach guter Arzneiversorgung gerecht wird. Und es ist EU-konform.

Arzneimittel gehören in die Apotheke und nicht neben das Butteregal oder die Karnevalsschminke. Das sagen 93 Prozent der Deutschen, wie unsere Umfrage zeigt. Qualität und Kompetenz müssen auch unter neuen Marktverhältnissen für den Endverbraucher sichergestellt sein. Deswegen wollen wir Apotheker und Kunden gewinnen, unsere Initiative "Arzneimittel aus erster Hand" zu unterstützen.

"Interview mit den Initiatoren" als PDF-Download (ca. 27 KB).

"Die Initiatoren stellen sich vor" als PDF-Download (ca. 67 KB).

 
© 2010 ISA-Verband
FVTECHBLOG0808